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Ein Marktkommentar auf biallo.de

KW 30

Von Titus Schlösser, geschäftsführender Gesellschafter der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH.

Liebe Leserinnen und Leser,

Dogs of the Dow

Ein Mann geht auf der Straße spazieren. Er hat einen Hund dabei. Und wie sich Hunde verhalten, läuft er vor und kommt wieder zu seinem Herrchen zurück. Dann läuft er wieder vor und sieht, dass er zu weit gelaufen ist, und kommt wieder zurück. So geht es die ganze Zeit. Am Ende kommen sie beide am gleichen Ziel an. Doch während der Mann schön langsam einen Kilometer zurückgelegt hat, ist der Hund herumgerast und hat vier Kilometer zurückgelegt. Der Mann ist die Wirtschaft und der Hund ist die Börse.“ Mit dieser kleinen Geschichte beschrieb der Börsenaltmeister Andre Kostolany sehr anschaulich und verständlich das Verhältnis der Börsenkurse zur Wirtschaft.

Es gibt kein logisches Gesetz, nach dem sich die Kurse entwickeln

Beide entwickeln sich selten im Gleichschritt, ganz im Gegenteil. An den Märkten gibt es kein logisches Gesetz, nach dem sich die Kurse entwickeln müssen. Manchmal scheint die Börse verrückt zu spielen. Mitunter werden schwache Quartalszahlen eines Unternehmens einfach ignoriert. Anstatt dass der Aktienkurs sinkt, greifen die Börsianer munter zu und der Aktienkurs und damit der Wert des Unternehmens steigen. Denn an der Börse wird ausschließlich die Zukunft gehandelt, die Gegenwart interessiert kaum und die Vergangenheit ist schon lange vergessen. Prognosen sind häufig mehr wert als bereits Erreichtes. Umso erstaunlicher ist, dass die meisten Börsenregeln sich gerne und fast ausschließlich auf die Vergangenheit beziehen. Denn „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“, stellte schon der Kabarettist Karl Valentin sehr treffend fest. Gerade zum Jahreswechsel und zur Mitte des Jahres werden auch gerne besondere Strategien propagiert. Beliebt sind dabei vor allem die „Dogs of the Dow“-Strategie und „Sell in May and go away“.

„Dogs of the Dow“

Die „Dogs of the Dow“-Strategie basiert auf der Betrachtung der Dividendenrenditen von Aktien. Entwickelt wurde sie bereits in den 1930er-Jahren vom legendären Value-Investor Benjamin Graham. Richtig populär wurde sie erst knapp 60 Jahre später durch das Buch „Beating the Dow“ von Michael O’Higgins. Dieser hatte berechnet, dass sich eine bestimmte Zusammenstellung dividendenstarker Aktien aus dem US-Leitindex Dow Jones Industrial Average in der Vergangenheit besonders gut entwickelt hatte. Es waren die zehn Aktien des insgesamt 30 Werte umfassenden Index, die am Anfang eines jeden Jahres die höchste Dividendenrendite auswiesen. Die Umsetzung ist auch für Privatanleger einfach möglich. Die zehn Werte mit der höchsten Dividendenrendite werden gekauft beziehungsweise im Depot gehalten, alle anderen Werte verkauft. Diese Prozedur wiederholt sich Jahr für Jahr und ist dabei völlig unabhängig vom allgemeinen Marktgeschehen. Auch der sogenannte „Value“-Ansatz von Warren Buffet – übrigens ein Schüler von Benjamin Graham – beruht auf einer ähnlichen Strategie. Über längere Zeiträume zeigte sie eine bessere Entwicklung als der Dow Jones. Allerdings gab es auch immer wieder Phasen, in denen die Strategie deutlich hinter dem Index zurückblieb.

“Sell in May and go away”

Eine weitere oft zitierte Strategie lautet „Sell in May and go away“. Die Verfechter dieser Strategie plädieren dafür, dass die meist handels-schwächeren Sommermonate auch die schwächeren Monate an der Börse sind. Gerade der schwache Mai 2019 hat viele darin bestätigt, dass es auch 2019 nicht anders aussehen wird. Ob es wirklich so kommt, wird sich erst noch zeigen. Ein Problem lösen all diese Strategien jedoch nicht: den richtigen Einstiegszeitpunkt zu finden bzw. wenn man einmal verkauft hat, wann man wieder in den Markt zurückkehren soll.

Wann ist der richtige Einstiegszeitpunkt?

Viele Anleger hadern mit der derzeitigen Entwicklung. Sie wissen nicht wo sich der „Hund“ aus Kostolany`s Geschichte gerade befindet. Ist er zu weit nach vorne gelaufen oder trabt er gerade brav neben seinem Besitzer her? Aus Angst den falschen Zeitpunkt zu erwischen bleiben sie an der Seitenlinie vom Markt stehen und sehen zu, wie ihr Vermögen auf den Tagesgeldkonten an Kaufkraft verliert und so langsam wegschmilzt. Dabei gibt es dafür mittlerweile bei fast allen Depotbanken eine einfache Lösung. Mit einem Sparplan braucht man sich keine Gedanken über den richtigen Einstiegszeitpunkt zu machen. Ein Sparplan hilft dabei den Einstiegszeitpunkt zu glätten und kauft nach größeren Rücksetzern sogar überproportional nach. Im Verlauf des Investitionszeitraums profitiert der Anleger zudem von dem Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt). Denn es ist letztlich egal wie weit der Hund hinter oder vor seinem Herrchen herläuft. Am Ende erreichen beide das gleiche Ziel.

Titus C. Schlösser, Geschäftsführender Gesellschafter der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH

Seit 2017 ist Titus Schlösser Geschäftsführender Gesellschafter der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln. Nach seinem Studium mit Schwerpunkt Economics-Finance an der Bentley University in Boston startete er 2003 seine berufliche Laufbahn bei Portfolio Concept. Nach einer Station in der Wertpapierberatung und dem parallel absolvierten Intensivstudium „Hedgefonds“ an der EBS wechselte er 2006 in den Bereich Vermögensverwaltung. 2007 begann er zudem ein. Nach Abschluss des MBA-Studium an der WHU-Otto Beisheim School of Management betreut er ab 2008 institutionellen Kunden. 2015 wurde Schlösser zum Geschäftsführer ernannt. Weitere Informationen unter www.portfolio-concept.de

 

Disclaimer:
Der Marktkommentar stellt die Meinung des jeweiligen Verfassers dar und nicht die der Redaktion von biallo.de. Ferner sind die im Marktkommentar formulierten Inhalte keine konkreten Handlungsanweisungen für den Umgang mit Wertpapieren. Jegliche Investitionsentscheidung, die aus dem Marktkommentar durch den Kunden abgeleitet wird, basiert ausschließlich auf dem eigenen Ermessen des Kunden.