Märkte & Chancen

Ein Marktkommentar auf biallo.de

KW 22

Liebe Leserinnen und Leser,

Das Depot mit Zertifikaten, Fremdwährungen und Co. strategisch wetterfest machen. Die nächste Korrektur kommt bestimmt

2019 kann über das erste Quartal hinaus ein gutes Jahr für Investoren werden. Der Blick auf bestimmte alternative Anlageformen ist gerade wegen des aktuellen Booms an den Börsen wichtig. Denn wir befinden uns im Spätzyklus eines Aufschwungs. Korrekturen können schnell und heftig werden, wie das 4. Quartal 2018 gezeigt hat. Mit Fremdwährungsanleihen, Wandelanleihefonds oder Discount-Zertifikaten lassen sich Gewinne sichern.

Das vierte Quartal 2018 war eine Phase zum Vergessen.

 Die weltweiten Märkte brachen ein und führten dazu, dass kaum ein Anleger mit einem Plus aus dem Jahr gekommen ist. Doch dann kam es zu einem fundamentalen Stimmungswandel: In den ersten vier Monaten von 2019 schienen die Sorgen völlig vergessen. Lange bekannte Belastungsfaktoren wie Brexit, US-chinesischer Handelsstreit oder schwächelnde Konjunktur waren auf einmal eingepreist – die Erholung hat die Verluste aus dem Vorjahr so gut wie vergessen gemacht. 

Die Trendwende an den Märkten steht im Wesentlichen mit geänderten Zinserwartungen im Zusammenhang.

Die Sorge vor anhaltend steigenden Leitzinsen in den USA und im Euroraum in 2019 sorgte im letzten Jahr für wachsende Unsicherheit. Sie hat den Abwärtstrend ausgelöst beziehungsweise diesen beschleunigt. Zum Start ins neue Jahr nahmen die Währungshüter der FED und der EZB diese Sorgen vom Tisch. Die FED wird den Zins deutlich langsamer anheben als bisweilen befürchtet, manch einer geht sogar von einer zwischenzeitlichen Senkung aus. Und auch der EZB-Chef Mario Draghi hat Zinserhöhungen für 2019 eine klare Absage erteilt.

Generell kann 2019 daher übers erste Quartal hinaus ein gutes Jahr für Investoren werden.

Wie anfällig die Märkte im Spätzyklus für Korrekturen sind, hat 2018 gezeigt. „Unfälle“ können nicht ausgeschlossen werden. Daher rücken alternative Assetklassen einmal mehr in den Fokus, die sich gegen den Trend entwickeln können oder zumindest eine Absicherung bieten. 

US-Dollar, Schweizer Franken, norwegische Kronen und andere Fremdwährungen

US-Dollar, Schweizer Franken, norwegische Kronen und andere Fremdwährungen sind wichtige Bausteine in einer professionellen Anlagestruktur. Investoren können mit gezielten Fremdwährungs-Investments das Zinsrisiko im Euroraum absichern und zugleich bei einem möglicherweise schwächelnden Euro von Wechselkursgewinnen profitieren.

Breite Streuung und Trendfolge als Anker

Zweitens: Begrenzen Sie Ihr Risiko mit einem strategisch durchdachten Ansatz – zum einen durch eine breite und nennenswerte Streuung auf andere Anlageklassen, zum anderen durch eine kluge Form von Trendfolge bzw. Momentum am Aktienmarkt. Durch den letztgenannten Ansatz ist eines garantiert: Nach dem nächsten Marktzyklus wird Ihr Aktiendepot höher notieren, als wenn Sie den Abschwung am Aktienmarkt komplett mitmachen würden. Und das ist doch vernünftig, oder nicht?

Ein Beispiel anhand von Daimler

Um das an einem Beispiel zu verdeutlichen: Bei einem soliden Emittenten wie dem Automobilhersteller Daimler ist bei Anleihen in Euro mit einer Restlaufzeit von etwa drei Jahren noch immer eine Nullrendite zu verzeichnen. Wer also ohnehin überlegt, die Risiken des Euro durch die Beimischung anderer Währungsräume zu reduzieren, der kann mitunter auch vom höheren Zinsniveau in diesen Währungsräumen profitieren. Eine Daimler-Anleihe mit vergleichbarer Ausstattung auf die norwegische Krone lautend, wirft immerhin etwa 1,7 Prozent ab.  

Auch ausgewählte Wandelanleihefonds können in diesem Umfeld eine Rolle spielen.

 Laufen die Aktienmärkte weiter, so bieten die „Wandler“ eine Partizipationschance, also eine attraktive Chance auf Mehrrendite im Vergleich zu klassischen Anleihen. Im Falle erneuter Korrekturen am Aktienmarkt bieten die Zins- und Rückzahlungskomponente der Anleihen einen gewissen Schutz vor höheren Verlusten.

Aber: Die Auswahl des beziehungsweise der Fonds spielt dabei eine wichtige Rolle.

 Denn es gibt Fonds, die stets offensiv ausgerichtet sind, und solche, die das Risikomanagement und damit die Verlustbegrenzung in den Vordergrund stellen. Man spricht hier von einem „niedrigen Delta“, also einer möglichst niedrigen Abhängigkeit vom Aktienmarkt. Bei großen Korrekturen an den Aktienmärkten sollen so die Rückschläge im Wandelanleihe-Portfolio reduziert werden, in positiven Märkten verzichtet man jedoch kaum auf interessante Mehrrendite – der defensive Charakter bleibt erhalten. 

Zu den Alternativen gehören des weiteren Discount-Zertifikate

Zu den Alternativen gehören des weiteren Discount-Zertifikate, mit denen Anleger bei einem vergleichsweise hohen Sicherheitsfaktor zum Teil überdurchschnittliche Renditen generieren können. Der Anleger erwirbt ein Discount-Zertifikat auf einen von ihm ausgewählten Basiswert, sei dies eine einzelne Aktie oder ein Index. Dabei zahlt er einen um einen bestimmten Abschlag (Discount) reduzierten Preis im Vergleich zur Aktie oder zum Index. Steht der Aktien- oder Indexkurs am Ende der Laufzeit des Zertifikats oberhalb oder gleich des definierten Grenzwerts (Cap), erhält der Investor diesen Wert vom Emittenten in bar ausgezahlt. Fällt die Aktie oder der Index unter diesen Grenzwert, erhält der Anleger die Aktie als physische Lieferung. Das Instrument dient also dazu, Risiken zu reduzieren, ohne die Renditeopportunität aus dem Blick zu verlieren. 

Auch hier lohnt ein Rechenbeispiel.

 Ein Discount-Zertifikat auf Daimler (www.finanzen.net/zertifikate/Auf-Daimler-AG/TR4YZG9) ist aktuell (Stand: 19.05.2019) für 41,70 Euro erhältlich. Die Aktie als Basiswert notiert momentan bei 53,68 Euro. Notiert die Aktie am 27. März 2020 oberhalb von 44 Euro, so bekommt man diesen Betrag ausgezahlt, was ca. 5,5 Prozent Rendite (6,30 Prozent aufs Jahr) entspricht. In dieser Zeit kann die Aktie also bis zu 18 Prozent zurückfallen, der Investor erhält aber immer noch die angepeilte Rendite. Zusätzlich interessant: Dazwischen wird es keinen Dividendenabschlag geben.

Immobilien und Immobilienfonds erscheinen vielen Anlegern schließlich als lukrative Investments

Immobilien und Immobilienfonds erscheinen vielen Anlegern schließlich als lukrative Investments, das immer noch für Stabilität und Sicherheit steht. Doch die Zahlen sprechen nicht unbedingt dafür. Vielen Fonds gehen die Investmentziele aus. Bei manchen Fonds macht die Liquidität laut einer Studie knapp 30 Prozent des Fondsvermögens aus. Von 1.000 Euro Anlagesumme werden demnach gerade einmal 700 Euro in Grund und Boden investiert. Die Liquiditätsrendite nach Kosten für die restlichen 300 Euro ist negativ. Die aktuelle durchschnittliche Rendite liegt bei 2,5 Prozent jährlich. Viel mehr ist bei einer physischen Immobilie auch nicht zu holen, die Risiken von Mietausfällen, Sanierungsstau oder Mietpreisbremse noch unberücksichtigt. Im Übrigen müssen Neuinvestoren jetzt mindestens 24 Monate in den offenen Fonds investiert bleiben, und eine Rückgabe ist der Kapitalanlagegesellschaft außerdem zwölf Monate vorher anzukündigen.

Fazit

Selbst wenn Aktien in den kommenden Monaten positiv im Fokus stehen dürften, es lohnt sich, wenn sich Anleger nach Alternativen umsehen, die in einem sich abschwächendem Marktumfeld noch Renditen erbringen können.

Thilo Stadler, Vermögensverwalter bei I.C.M. Independent Capital Management in Mannheim und Neuss

Thilo Stadler ist seit Juli 2014 Vermögensverwalter bei der I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH, in der Niederlassung Neuss. Zuvor arbeitete er vier Jahre bei einem renommierten Düsseldorfer Privatbankhaus in der Beratung vermögender Privatkunden, zu seinem Aufgabenbereich zählten neben der Kundenbetreuung und dem Portfoliomanagement auch die Markt- und Produktanalyse. Stadler ist zertifizierter Finanzökonom (EBS) und Certified Financial Planner (CFP) und beschäftigt sich mit der ganzheitlichen Betreuung von Privatkunden. Er studierte Betriebswirtschaftslehre an der European Business School in Oestrich-Winkel und schloss im Jahr 2010 mit dem Master in Finance ab.
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